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aus Westfälische Rundschau: Samstag, 20. Dezember 2008

Josef Wortmann feiert am Sonntag seinen 90. Geburtstag

Der letzte Bürgermeister Opherdickes

            von Ingo Schmidt

Holzwickede.  Josef Wortmann ist das, was der Volksmund einen rüstigen Rentner nennt. Er war immer viel beschäftigt, sowohl als Landwirt und Lehrer wie auch als Politiker, und das ist er heute, mit 89 Jahren, immer noch. Am morgigen Sonntag feiert der letzte Bürgermeister Opherdickes seinen 90. Geburtstag.

(Ersatz-Foto: CDU-Holzwickede)

Als Landwirtssohn wurde Josef Wortmann am 21. Dezember 1918 in Opherdicke geboren und wurde schon früh in die Arbeit auf dem elterlichen Hof eingebunden. „Die meisten Höfe waren so charakterisiert, dass jeder da sein und helfen musste”, beschreibt er seine Pflichten in Kindheitstagen, zu denen auch der regelmäßige Kirchgang und Schulbesuch gehörten. „Da musste ich mit dem Fahrrad hin, und so ein Rad wurde auf Vorrat gekauft, also eine Nummer größer”, erinnert sich der Senior und lacht: „Ich war als Steppke viel zu klein und musste die Federn vom Sattel abbauen, damit ich überhaupt sitzen konnte.”
Die Freizeit, die ihm seine Eltern gaben, nutzte Josef Wortmann entweder, um mit Pferd und Gig, einer einspännigen kleinen Kutsche, die Feldwege in der Umgebung unsicher zu machen, oder um mit Freunden, zu denen auch Pater Beda gehörte, beispielsweise auf der wenig befahrenen Straße Fußball zu spielen.
Seine Jugend indes fiel in die Zeit des Nationalsozialismus, mit dessen Ideologien sich Wortmann nie identifizieren konnte, auch wenn er als Schüler des Pestalozzi-Gymnasiums Mitglied in der HJ sein musste. Und was es für Konsequenzen haben konnte, wenn man Kritik äußerte, beschreibt er so: „Sonntags nach dem Gottesdienst mussten wir in der alten Schule in Hengsen erscheinen, weil dort von der Partei aus Lieder gesungen und andere Dinge gemacht wurden”, erzählt er und führt aus: „Einmal habe ich den Schluss eines Liedes einfach nicht mitgesungen und auf die Frage nach dem Grund geantwortet, dass ich mit der Passage nicht einverstanden bin.” Das Resultat: Ausschluss aus der Partei und vom Abitur. „Da ich das Abitur aber machen wollte, musste ich mich entschuldigen und erklären, dass die Aussage von mir nicht so gemeint gewesen war.”
Nach dem Abitur ging Wortmann schließlich nach Bonn, um Pädagogik zu studieren und im Anschluss in derselben Stadt eine Stelle als Lehrer anzunehmen. Als sein Bruder Paul, der eigentlich den Hof der Eltern hatte übernehmen sollen, im Krieg fiel, wünschten sich die Eltern, dass Josef heimkehren und die Landwirtschaft übernehmen solle.
Seine Entscheidung, politisch aktiv zu werden, beeinflussten später einige von Wortmanns Freunden, die an ihn herantraten und meinten: „Komm' doch mal mit, da kannste mitmischen und 'mal was werden.” Er ging mit und sagt im Nachhinein: „Ich musste ja erst einmal gucken, ob man sich da überhaupt miteinander vertragen konnte.”
Und das klappte, denn ab 1952 gehörte er dem Rat der Gemeinde Opherdicke an und wurde vier Jahre später ihr Bürgermeister. „Es war eine Ehre für mich, fast schon eine Auszeichnung”, sagt Wortmann, „aber nicht nur das: Der Laden musste laufen.” Elf Jahre lang blieb er Bürgermeister in Opherdicke und sorgte unter anderem dafür, dass die Straßen asphaltiert und benannt, und dass ein Kindergarten eingerichtet wurde. „Opherdicke war eben ein friedliebendes Dorf, in dem jeder seinen Kram machte und froh war, wenn man ihn in Ruhe ließ”, beschreibt Josef Wortmann die Gemeinde wie sie damals war.
Schließlich wurden Opherdicke und Hengsen eingemeindet, Wortmann trat in die CDU ein und wurde 1969, nach zweijähriger Ratsmitgliedschaft, auch in der Großgemeinde Holzwickede Bürgermeister. Diesen Posten hielt er bis 1975 inne. Parallel zu seiner Zeit als Bürgermeister und Landwirt war der Opherdicker als Lehrer tätig, und das über 20 Jahre lang. Die Paul-Gerhardt-Schule in Hengsen und die Dudenrothschule in Holzwickede waren seine Wirkungsstätten.
Heutzutage geht es bei Josef Wortmann ein wenig ruhiger zu: Er studiert die Zeitung, vor allem den Politik- und Sportteil, sieht abends ausgewählte, vorwiegend politische Sendungen im Fernsehen, besucht die Senioren-CDU und den Caritas-Seniorenkreis der katholischen Kirchengemeinde Opherdicke und ist fest ins Alltagsleben seiner Familie eingebunden.
Im Sommer sitzt er gern im Garten und unterhält sich mit Spaziergängern, die vorbeikommen, oder er klönt mit den Pferdefrauen auf dem Hof seines Sohnes Franz-Josef nebenan. „Seit vielen Jahren lebe ich ohne Rauchwaren und trinke nur sehr selten mal ein Likörchen”, verrät der Noch-89-Jährige sein Rezept fürs gesunde Altern. Auf die Frage, was er sich denn zum 90. Geburtstag wünscht, kommt schließlich wieder der Lehrer in ihm zum Vorschein: „Das kann man doch mit einem Substantiv definieren: Gesundheit.”


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