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aus Westfälische Rundschau: Dienstag, 15. Februar 2011

Fertigstellung und Kosten der umstrittenen Fußgängerbrücke kennt niemand im Rathaus: Politik durchaus selbstkritisch

Caroline-Brücke: Keine Kontrolle?

            von Peter Gräber

Holzwickede.  700 000 Euro.., 1,6 Mio. Euro.., zwei Mio, Euro.., 2,5 Mio. Euro, ..?? - wie hoch die aktuellen Kosten für die Brücke auf der Caroline sind und wann sie fertig wird, weiß zurzeit im Rathaus angeblich keiner. Selbst die Befürworter des Bauwerkes kritisieren inzwischen einen ausufernden Kosten- und Zeitplan.
Als die Politik über das Bauwerk entschied, sollte es rund 700 000 Euro kosten. Im Sommer 2009 waren es schon 1,6 Mio. Euro Kosten. Weil die Bahn ein Gleis nicht wie geplant abtrat, musste die Brücke länger und höher werden, zugleich der Kampfmittelräumdienst umfangreicher tätig und der Boden für den Mittelpylon verfestigt werden. Rund 2,5 Mio. Euro kostet die Brücke nach unseren Informationen bislang. Doch die Verwaltungsspitze mauert, kennt die Kosten und den Fertigstellungstermin für die brücke angeblich nicht. Für viele Bürger unverständlich: Auch die Politik drängte weder auf Kostenkontrolle noch Transparenz bei dieser Baumaßnahme. Wir fragten bei den Fraktionen nach, ob diese Kritik zutreffend ist.

SPD (pro Brücke)

„Natürlich ist die Situation insgesamt sehr unbefriedigend“, räumt Michael Klimziak ein. „Der Zeitplan für die Brücke ist völlig aus dem Ruder gelaufen.“ Dafür gebe Gründe. „Das hat mit der Finanzierung, dem Kampfmittelräumdienst und auch der Bahn zu tun. Das alles ist aber keine Entschuldigung für die Zeitverzögerung“, meint Klimziak. „Auch die Kostenentwicklung ist unverständlich. Wir hatten eine enorme Kostensteigerung, da lagen wir bei etwa 1,6 Mio. Euro. Alles was darüber hinaus geht, ist aber nicht festgeschrieben. Es hat da viele Nachberechnungen der Firmen gegeben, die jetzt alle juristisch geprüft werden.“ Darum gebe es noch viele Unbekannte in der Endabrechnung. „Deshalb kann man zurzeit schwerlich eine Zahl sagen“, meint Klimziak, der daran erinnert: „Was gebaut wird, ist alles politisch beschlossen. Da kann keiner sagen, er hat nichts gewusst. Vielleicht hätte die Politik aber hier und da etwas mehr Druck ausüben“ können bei der Bauaufsicht.

jungeliste (contra Brücke)

Den Vorwurf, keine politische Kontrolle ausgeübt zu haben, will Lars Berger für die jungeliste nicht gelten lassen. „Wir haben immer wieder nachgefragt, ob wir eine Kostenaufstellung bekommen können. Aber wir sind immer nur vertröstet worden von der Verwaltung.“ Nachgefragt haben will die jungeliste meist nichtöffentlich. Bei der Kostenkontrolle sei zunächst die Verwaltung in der Verantwortung: „Der Fachbereichsleiter Technische Dienste muss die Kostenentwicklung doch erkennen.“ Auch zeitlich laufe das Projekt „aus dem Ruder“.

CDU (pro)

Auch Rolf Kersting sieht zuerst die Verwaltung in der Verantwortung. Der Beirat Caroline habe mit der Brücke nichts zu tun. Die Brücke sei „operatives Geschäft der Verwaltung“, so Kersting. „Wir erwarten aber, dass uns die Kosten dargelegt werden, wenn sich etwas verteuert.“ Es müsse sich dabei aber „um geprüfte Kosten“ handeln. Die aktuellen Zahlen liegen derzeit wohl zur Prüfung in Düsseldorf, vermutet Kersting. „Letztlich prüft der Landesrechnungshofes die Zahlen, da das Land die Caroline zu 70 Prozent fördert.“ Spätestens zum Abschluss der Arbeit en an der Brücke erwartet die CDU endgültige Zahlen.

Die Grünen (contra)

„Wenn man bedenkt, dass die Brücke ursprünglich 800 000 Euro kosten sollte und wir jetzt bei mindestens zwei Mio. Euro sind, spricht das eine deutliche Sprache“, meint Friedhelm Klemp. „Natürlich gibt es auch Versäumnisse der Politik. Es hat kein Controlling gegeben, kein Drängen auf einen Fertigstellungstermin und auch weitere Treffen des Beirates Caroline sind nicht eingefordert worden.“ Die Grünen seien zwar von Anfang an gegen die Brücke gewesen. „Aber wir haben es auch schleifen lassen und hätten intensiver nachfragen müssen, warum sie so teuer wird und der Bau so lange dauert.“

FDP (contra)

„Die FDP ist immer gegen diese Brücke gewesen ist“, erinnert Jochen Hake. „Wir wollten sie schon vor viereinhalb Jahren stoppen, aber alle großen Fraktionen waren dagegen.“ Von daher hätten andere mehr Interesse an einer Kontrolle haben müssen. „Dass heute keiner mehr einen Überblick über die Kosten hat, brennt uns aber auch auf den Nägeln“, meint Hake. „Dass Zahlen auf den Tisch kommen, ist längst überfällig. „Da hätten auch wir vielleicht schon früher nachfragen können.“ Der nichtöffentliche Caroline-Beirat wäre dafür aber nicht das geeignete Gremium, findet Hake. „Die Frage der Kosten gehört in die Öffentlichkeit.“

Bürgerblock (pro)

Auch Heinrich Schlinkmann sieht Versäumnisse der Politik. „Am meisten ärgere ich mich über mich selbst, dass ich nicht schon viel früher nachgehakt habe. Es gab ja diesen Caroline-Beirat. Doch der hat nach der 12. oder 13. Sitzung nicht mehr stattgefunden.“ Der Bürgerblock habe zwar immer mal wieder nachgefragt, aber wohl nicht energisch genug. „Seit der Umwandlung der LEG in die NRW-Urban hat auch keine Abstimmung mehr stattgefunden“, so Schlinkmann. „Als wir für die Brücke gestimmt haben, sollte sie etwas mehr als 700 000 Euro kosten. Es hat danach zwar noch -zig Änderungen gegeben, aber keinen Änderungsantrag mit dem Ziel, die Brücke zu stoppen.“


Bildunterschrift unter einem Foto der Brücke: Was die Brücke auf der Caroline kostet und wann sie fertig wird - dazu will oder kann sich im Rathaus niemand äußern.
Bildunterschrift unter einer Karikatur: Politik und Verwaltung ratlos: Die Kosten beim Bau der Caroline-Brücke laufen aus dem Ruder.

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